SO VERÄNDERT SICH B2B MARKETING
Ende April waren unsere Kolleginnen Sonia Distante, Manager Digital Media, München und Julia Veith, Manager Digital Media, Wien beim LinkedIn INspire Event in Dublin.
In den Sessions ging es vor allem um eine zentrale Frage: Wie verändert sich B2B Marketing durch künstliche Intelligenz, neue Plattform-Funktionen und ein verändertes Kaufverhalten?
Es nicht mehr um abstrakte Trends. Viele der präsentierten Entwicklungen sind bereits heute messbar und haben direkten Einfluss auf die Performance von Kampagnen.
Brand und Performance gehören zusammen
Ein zentrales Thema, das sich durch viele Sessions gezogen hat, ist die Verbindung von Markenaufbau und Performance. LinkedIn hat dazu klare Daten:
Eine Analyse von rund 3.000 Advertisern und 9 Milliarden Datenpunkten zeigt, dass sogenannte Full-Funnel Kampagnen etwa +40 % mehr Leads generieren. Gleichzeitig wurde deutlich, wie groß die Lücke in der Umsetzung ist: Nur etwa 12% der Marketer arbeiten tatsächlich integriert, obwohl sich nahezu alle einig sind, dass dieser Ansatz sinnvoll ist.
Was in den Gesprächen immer wieder deutlich wurde: Das Problem ist selten das Verständnis, sondern die Umsetzung im Alltag. Die Wirkung entsteht durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren: Inhalte müssen Aufmerksamkeit erzeugen, mehrfach gesehen werden und von glaubwürdigen Personen kommen. Erst wenn diese Elemente zusammenwirken, entsteht messbare Nachfrage.
Aufmerksamkeit entscheidet über Ergebnisse
Ein weiterer zentraler Punkt, der in vielen Sessions immer wieder aufgegriffen wurde, ist die Rolle von Aufmerksamkeit. Es reicht nicht aus, Reichweite zu generieren. Entscheidend ist, ob und wie lange sich Nutzer damit beschäftigen.
Die Daten zeigen sehr klar, wie groß dieser Effekt ist: Inhalte mit hoher Verweildauer generieren deutlich bessere Ergebnisse. Konkret bedeutet das:
Eine hohe sogenannte "Dwell Time" führt zu dreimal so vielen Leads. Emotionale Reaktionen steigern die Lead-Generierung zusätzlich um rund +13%.
Was dabei besonders auffällt: Inhalte mit echten Menschen und authentischem Charakter funktionieren deutlich besser als klassische Unternehmensformate. Gleichzeitig zeigt sich, dass einfachere, weniger produzierte Inhalte oft mehr Aufmerksamkeit erzeugen als stark inszenierte Kampagnen.
Ein wichtiger Treiber dahinter ist die Veränderung der Zielgruppe. B2B Buying Groups werden zunehmend multi-generational. Millennials und Gen Z machen mittlerweile rund 71% der Käufer auf der Plattform aus. Diese Zielgruppen greifen deutlich häufiger auf Video zurück, um Entscheidungen zu treffen. Komplexe Inhalte lassen sich visuell schneller erfassen und bleiben besser im Gedächtnis.
Wiederholung und Mediamix sind entscheidend
Ein weiterer Punkt, der sich durch viele Sessions gezogen hat, ist die Rolle von Wiederholung. Nutzer treffen im B2B selten nach einem einzigen Kontakt eine Entscheidung. Wirkung entsteht über mehrere Touchpoints hinweg. Ein Treiber dafür ist die Veränderung der Zielgruppe: Millennials und Gen Z treffen heute einen großen Teil der Entscheidungen und konsumieren Inhalte anders. Visuelle Formate, insbesondere Video, gewinnen dadurch deutlich an Bedeutung.
Auch die Daten zeigen, wie stark dieser Effekt ist: Wer nur ein Format nutzt, hat eine –50% geringere Lead-Wahrscheinlichkeit. Erfolgreicher sind Strategien, die verschiedene Formate kombinieren und gleichzeitig kontinuierlich sichtbar sind.
Dabei geht es nicht um einzelne Kanäle, sondern um das Zusammenspiel:
Video, statische Inhalte und Thought Leadership greifen ineinander und sorgen dafür, dass Inhalte in unterschiedlichen Situationen wahrgenommen werden.
Netzwerke machen den Unterschied
Ein besonders greifbarer Insight aus den Sessions betrifft die Rolle von Beziehungen innerhalb relevanter Unternehmen. LinkedIn zeigt hier sehr deutlich, welchen Einfluss Netzwerke auf Performance haben:
Wenn Mitarbeitende aus Zielunternehmen einer Marke folgen oder mit ihr verbunden sind, entstehen bis zu +240 % mehr Leads. Dieser Effekt verstärkt sich zusätzlich, wenn auch Personen auf Senior-Level vernetzt sind. In diesen Fällen zeigt sich ein weiterer deutlicher Uplift in der Lead-Generierung.
Spannend ist dabei auch der Blick nach innen: Auch die Aktivität innerhalb des eigenen Unternehmens hat einen messbaren Einfluss. Bereits wenn rund 3 % der Mitarbeitenden Inhalte teilen, lässt sich ein Anstieg von etwa +20 % mehr Leads beobachten. Was dabei in den Gesprächen besonders klar wurde: Sichtbarkeit entsteht nicht nur durch Kampagnen. Sie entsteht durch Menschen, die Inhalte sehen, teilen und damit weitertragen.
Was sich im B2B Marketing gerade verändert
B2B Marketing wird datengetriebener, integrierter und stärker von Aufmerksamkeit geprägt.
- Aufmerksamkeit ist wichtiger als Reichweite
- Mediamix und Wiederholung treiben Performance
- Authentischer Content mit echten Personen wirkt stärker
- Sichtbarkeit in relevanten Unternehmen wirkt direkt auf Leads
AI verändert die Customer Journey
Ein Thema, das den zweiten Tag stark geprägt hat, ist der Einfluss von künstlicher Intelligenz auf den B2B Kaufprozess. Was dabei besonders deutlich wurde: Ein großer Teil der Entscheidung fällt, bevor überhaupt ein Gespräch stattfindet.
Aktuell nutzen bereits 94% der B2B Buying Groups AI Tools wie ChatGPT oder Perplexity, bevor sie mit einem Anbieter in Kontakt treten. Das bedeutet: Recherche, Bewertung und erste Einordnung passieren zunehmend in dieser frühen Phase. LinkedIn spielt dabei eine zentrale Rolle. Die Plattform gehört zu den wichtigsten Quellen für Inhalte, die von AI-Systemen verarbeitet werden, und ist im B2B Umfeld sogar führend. Was daraus entsteht, ist eine neue Form von Sichtbarkeit: Nicht nur für Menschen, sondern auch für Systeme.
Content wirkt auch in AI-Systemen
Mit der zunehmenden Nutzung von AI verändert sich auch die Rolle von Content.
In mehreren Sessions wurde deutlich: Inhalte müssen heute nicht nur für Menschen verständlich sein, sondern auch so aufgebaut sein, dass sie von AI-Systemen erkannt und verarbeitet werden können.
Ein Beispiel, das dabei häufig genannt wurde: Strukturierte Inhalte wie längere Fachartikel werden besonders häufig als Quelle genutzt. LinkedIn verweist hier unter anderem auf Inhalte mit etwa 800 bis 1200 Wörtern, die durch ihre Struktur und Tiefe besser verarbeitet werden können.
Gleichzeitig spielt Engagement eine wichtige Rolle. Inhalte, mit denen Nutzer interagieren, werden häufiger berücksichtigt und gewinnen an Sichtbarkeit.
B2B Entscheidungen entstehen im Team
Ein zentraler Unterschied zu B2C wurde in vielen Sessions besonders deutlich:
B2B Kaufentscheidungen werden nicht von Einzelpersonen getroffen, sondern von ganzen Teams.
Im Durchschnitt sind 21 bis 23 Personen an einer Entscheidung beteiligt. Dazu gehören nicht nur direkte Ansprechpartner, sondern auch Bereiche wie Legal, IT oder Procurement. Gleichzeitig zeigt sich ein kritischer Punkt im Entscheidungsprozess: 40 bis 60% der Deals scheitern nicht am Produkt, sondern an fehlender Einigkeit im Team.
Es reicht alsonicht, einzelne Entscheider zu überzeugen. Erfolgreiches Marketing erreicht mehrere Stakeholder gleichzeitig und baut über verschiedene Perspektiven hinweg Vertrauen auf. Video gewinnt in diesem Kontext weiter an Bedeutung. Gerade bei komplexen Themen hilft es, Inhalte schneller verständlich zu machen und Entscheidungsprozesse zu unterstützen.
Plattformen entwickeln sich zur Marketing-Infrastruktur
Ein Thema, das sich durch viele Sessions gezogen hat, ist die zunehmende Integration von Plattformen in den gesamten Marketingprozess. Was dabei deutlich wurde: Die Grenzen zwischen Content, Daten und Distribution verschwimmen immer stärker.
Neue APIs verbessern die Messbarkeit, AI wird zunehmend integriert und der Fokus verschiebt sich stärker auf qualitativ hochwertige Leads statt reine Reichweite. Gleichzeitig gewinnen Formate wie Video und Thought Leadership weiter an Bedeutung, weil sie mehrere Ziele gleichzeitig erfüllen: Aufmerksamkeit, Verständnis und Vertrauen. Diese Entwicklungen sind bei Linkedin bereits deutlich sichtbar. Marketing funktioniert heute dann am besten, wenn Inhalte, Daten und Ausspielung zusammenspielen.
Unser Fazit:
Plattformen werden wichtiger, aber nicht als einzelne Kanäle. Sondern als Systeme, in denen Content, Daten und Distribution zusammenlaufen.
unser fazit
Die zwei Tage in Dublin haben vor allem eines gezeigt: Erfolgreiches Marketing entsteht heute nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch ihr Zusammenspiel, Brand und Performance wirken zusammen. Reichweite allein reicht nicht aus. Entscheidend ist, wie intensiv sich Nutzer mit Inhalten beschäftigen und wie oft sie damit in Kontakt kommen.
Sichtbarkeit entsteht nicht nur durch Kampagnen, sondern durch Inhalte, Netzwerke und frühe Präsenz im Entscheidungsprozess, zunehmend auch in AI-gestützten Recherchen. Content wirkt dabei doppelt: Er erreicht Nutzer direkt und beeinflusst gleichzeitig, wie sichtbar Themen in digitalen Systemen werden.
Am Ende läuft vieles auf eine zentrale Entwicklung hinaus:
Content, Daten und Distribution greifen ineinander und bestimmen gemeinsam, was funktioniert.
Was das für die Praxis bedeutet
- Aktiv sichtbar sein, um in frühen Recherchephasen stattzufinden
- Nicht nur Entscheider, sondern ganze Buying Groups erreichen
- Content so aufbauen, dass er auch von AI-Systemen verarbeitet werden kann
- Daten gezielt nutzen, um Marketing und Business enger zu verzahnen
Viele der angesprochenen Entwicklungen spiegeln sich auch in neuen Funktionen und Entwicklungen auf LinkedIn wider.
Welche Features heute schon relevant sind und worauf sich Unternehmen vorbereiten sollten, zeigen wir unter Wissenshub in den LinkedIn Updates 2026.